Nachdem im Verlauf der Zeit mein Verhältnis zu Outlook imme kühler wurde (siehe Dinge, die besser sein könnten: OL) und ich es generell schade fand, Windows auf einem iMac laufen lassen zu müssen, entschloss ich mich zu einem kleinen Experiment. Auf der Mini-OS X Partition, die ich als Spielwiese neben dem hauptsächlich genutzen XP übrig hatte, installierte ich neben einigen weiteren Programmen, die ich für das daily business brauche, testweise auch Entourage 2008. Die gesamte Firmenkommunikation läuft derzeit über Exchange, was erfahrungsgemäß das Gros der sonst guten Clients (Thunderbird, Apple Maial etc.) aufgrund mangelnder Exchange-Unterstützung ausschließt. Wollte ich also wirklich unter MacOS arbeiten, war Entourage meine einzige realistische Hoffnung.
Erste Überraschung
Nach der Installation ging es ans Einrichten des Exchange-Kontos. Tatsächlich gelang die Verbindung auf Anhieb und bis auf einen Sicherheitshinweis (vermutlich ein Zertifikat-Problem) hatte ich vollen Zugriff auf mein Konto samt Emails, ToDos etc. Konten anderer Benutzer, öffentliche Ordner etc. – alles lief. Das war schon mal etwas, zumal ich von MS normalerweise schwindelerregenden Konfigurationsorgien gewohnt bin.
Zweite Überraschung
Mein Hauptkritikpunkt an OL2007 war die erbärmliche Geschwindigkeit. Ich gebe zu, ich bin kein Archivar und Trenner von Mails, da ich alles immer online und sofort verfügbar haben will. Daher kratzt mein Mailordner bereits an der 2GB-Grenze, was aber meinem Hausverstand nach die verwendete Hardware noch nicht ins Schwitzen bringen sollte – Server und Client sind reichlich ausgestattet und das gesamte Büro verfügt über GBit-Ethernet. Trotzdem schwächelt OL bei den einfachsten Tätigkeiten: Der Start dauert ewig und blockiert wie der gelegentliche Zugriff auf die Öffentlichen Ordner das gesamte Betriebssystem.
Umso überraschter war ich, dass Entourage im Vergleich wieselflink ist. Es startet um ein vielfaches schneller und ich habe sofort Zugriff auf alle Mails. Klar, nach der ersten Verbindung dauert es etwas länger, alle Nachrichten rüberzuschaufeln, aber ansonsten läuft’s angenehm flott. Keine Rechnerblockaden mehr und auch kein „Gesichtsverlust“ – eine komische Sache bei OL: Wenn es Mails abruft oder mit sonst irgendetwas beschäftigt ist verschwindet manchmal der schicke, glänzende schwarze Skin und es sich zeigt das gealterte Skelett, das wir schon seit Windows 95 kennen.
Fazit
Entourage funktioniert einwandfrei. Es ist anders und deutlich besser strukturiert als Outlook, verfügt aber über nahezu die gesamte Funktionalität und – das ist das Wichtigste – verschwendet nicht meine Zeit für ewig dauernde Serveranfragen, die den gesamten Rechner blockieren.
Bis auf ein paar Kleinigkeiten (ich habe beim Starten einen Hinweis auf eine „unsichere Verbindung“ zum Server, die man bei jedem Start aufs Neue bestätigen muss) ist es damit für mich ein vollwertiger Ersatz für Outlook und damit die Basis für den „Switch“ zu Mac OS. Im Übrigen: Das gesamte System fühlt sich an (und ist) unter Tiger deutlich schneller und angenehmer als unter dem gealterten XP.
Wenn ich die kombinierte Wartezeit aus XP-Bootvorgang und OL-Start (nebst weiterer Hänger) über ein Jahr rechne dann komme ich auf 40 bis 80 eingesparte Stunden, also im schlimmsten Fall knapp zwei Arbeitswochen. Die Investition in die (deutlich teurere) Mac-Office-Lizenz rentiert sich demnach bereits nach kurzer Zeit.
Bemerkung am Rande
Trotz aller Fortschritte ist Entourage nicht eine Outlook-Version für den Mac sondern ein eigenständiges Produkt von der Mac Businees Unit (ich glaube eine der kleinsten Abteilungen von MS). Das ist im Hinblick auf die GUI sicherlich ein Vorteil, technisch gibt es aber immer noch zahlreiche Funktionen (v. A. im Zusammenspiel mit Exchange), die nicht implementiert sind. MS argumentiert das mit der Geschichte und ursprünglichen Ausrichtung von Entourage (nur Privatanwender) und verweist darauf, dass man eben Outlook (das es nur für Windows gibt) nehmen soll, wenn die gesamte Funktionalität gebraucht wird. Also klassische Firmenpolicy um ihr gealtertes XP respektive ungeliebte Vista zu pushen. Echte Unterstützung für unterschiedliche Plattformen ist das keinesfalls.